




In einem gewissen Sinn, hat jeder umfassende Designprozess auch Aspekte und Ansätze von Forschung – mindestens über gebotene Recherchen, Experimente, Befragungen … doch Designforschung geht darüber nochmals hinaus. Egal, ob sie eher eine Forschung über Design ist oder durch Design, wo es als Methode unmittelbar verwendet wird. Oft geht es, denn im Gegensatz zu Kunst hat Design in der Regel eine klar umrissene Aufgabenstellung, um Wirkungsforschung, für die sich viele Begriffe aus der Rhetorik gut eignen.
Die Überschneidung mit Designgeschichte und -theorie ist dabei kein Problem. Wie alles, was jenseits der reinen Designpraxis ist, hat jeder Bereich großen Nachholbedarf! Ebenso die Parallele zu Kunsthistorikerinnen – denn damit wird zugleich ein weitreichender Unterschied deutlich: Designforscherinnen können nicht nur beschreiben, beurteilen und bewerten, was vor ihnen liegt, sie wissen womöglich auch, warum es so ist. Und nicht anders. Oder, nochmals viel spannender: können das Andere sichtbar machen, Optionen entwickeln, Alternativen aufzeigen – die vielleicht viel deutlicher zeigen, warum was wie wirkt und warum man sich für (bzw. gegen) etwas entschieden hat.
Mein Ansatz ist deshalb auch, die Designforschung als einer »zutiefst visuellen« Forschung aus der passiven Betrachter-Perspektive herauszuführen. Sei es eben durch solche, zuvor erwähnte »Eingriffe« oder, in einem phänomenologischen Sinn Vilem Flussers vor der Beurteilung nochmals drei Schritte zurück zu gehen … durch Gegenüberstellungen oder bereits einer methodisch adäquaten Behandlung und Darstellung (wie in NSCI und DDRCI) visuelle Systeme, Interdependenzen und Entwicklungen sichtbar zu machen. Wie in diesem Fall entsteht daraus fast etwas wie Grundlagenforschung.
War der Beginn die intensive Beschäftigung mit der Visualität des »Dritten Reiches« (ein auf wundersame Weise bis dahin Desiderat gebliebenes Feld!) wollte ich den Blick öffnen und sehen, ob die Nationalsozialisten eine Ausnahme waren oder die Regel, wer es ähnlich oder ganz anders machte in seiner Repräsentation von Partei/Nation … was zu »Schrift und Macht« führte, wo diese Phänomene von Karl dem Großen bis zur BRD/DDR reichte. Diese Forschungsarbeit war mit vielen Schnittstellen angelegt – vieles versucht, visualisiert, angedacht, angelegt … wo mein Wunsch, meine Hoffnung war, dass andere Gestalterinnen/Forscherinnen daran weiterarbeiten – ganz im Sinne des empirische Falsifikationsprinzips von Karl Popper – bestätigen, widerlegen, verbessern … naja, die Hoffnung stirbt zuletzt.