Grundsätzlich vorab: Der Begriff »Arbeit« (oder Büro) ist nicht in Opposition zu »Leben« zu verstehen. Auf der dieser unsägliche Begriff »Work-Life-Balance« basiert. Erst recht gilt das nicht für das Forschen, Publizieren, Unterrichten, Vortragen … denn auch zu all dem steht das Büro nur sehr bedingt im Gegensatz und Widerspruch (maximal zeitlich, wie es wohl naheliegend ist!–)
Der Grund dafür dürfte sein, zwischen Theorie und Praxis keinen Konflikt, sondern eine untrennbare, wichtige, interdependente, unauflösbare und, ja, konstruktiv-faszinierende Verbindung zu sehen. Dies prägt dann wohl auch entsprechend meine Vorstellung »vom Forschen«.
Das Büro, die Arbeit, ist Broterwerb, keine Frage, aber nicht nur Mittel und/zum Zweck, sondern gleichermaßen »Medium«: vom Abstrakten zum Konkreten, vom Wollen zum Machen … konkret und real werden, verändern, sinnvolles tun, Sinn und Nutzen zu stiften. Und das eben nicht nur ökonomisch, sondern in diesem konkurrierenden System von wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Was nicht wirklich voneinander zu trennen ist, aber zu steuern. Mit einem Fokus auf das Gemeinwohl, das Einbeziehen von allen Beteiligten (Stake- statt Shareholdern) das Kommunizieren, Diskutieren … offen, redlich, ehrlich.
Eines der bemerkenswertesten Projekte des Büros war sicherlich der »Lechweg« – wo nach dem Wettbewerb zum Corporate Design zwei, drei Schritte zurück gemacht wurden. Gemeinsam überlegt, was Menschen hier suchen, erwarten, sich wünschen: was man dafür tun sollte, klar, aber noch viel mehr, was man nicht tun darf, lassen muss. Dass man jede »Äußerung« des »Lechwegs« unter den Primat »Information« stellt und nicht »Werbung macht«. Denn Informationen sind wichtig, oft mühsam zu finden – Werbung hingegen bekommt man, übergriffig auch in der Semantik, meist ungewollt. Deshalb sollte alles, was an Kommunikation stattfindet, leise und zurückhaltend sein, wie inhaltlich »Service«: Infos zu Unterkünften, Geschäften, Apotheken, Routen, Etappen, Checklisten, Bussen (ein Plan, der fünf Routen in zwei Ländern vereint) …
Solche Prozesse zu begleiten – was der »Lechweg« in dieser von Abwanderung bedrohten Gegend über viele Jahre Positives bewirkt hat, mochte sich kaum einer vorstellen – und miteinander die richtigen Schlüsse zu ziehen, wirklich nachhaltige Strategien zu entwickeln und die richtigen Zeichen und Formen dafür zu finden, darum geht es in unserem Büro.
Ein anderer Aspekt ist das Thema Inklusion und Barrierefreiheit. Sinn und Notwendigkeit sollte man ja nicht (mehr) erklären müssen. Den Unterschied zwischen den beiden Begriffen aber vielleicht schon: Inklusion will nicht durch zusätzliche, separate, »eigene« Maßnahmen erreicht werden, sondern in »einer für alle«. Trotzdem sieht man immer wieder z.B. Übersichtspläne an der Wand (zum Sehen) und extra, taktil (zum Tasten) noch daneben. Oder, auch eher Regel als Ausnahme: der Anspruch an die Gestaltung sinkt mit den Barrieren. Unser Ziel ist es deshalb, visuelle Qualität auch auf die haptische Ebene zu übertragen – deshalb realisieren wir meist Oberflächen aus Holz oder perfekt lackierte Aluminiumflächen. Ein Projekt (das hier gezeigte für das Landratsamt Ostallgäu) hat neun renommierte, internationale Auszeichnungen erhalten und beweist recht eindringlich, dass Barrierefreiheit/Inklusion und gutes Design sich absolut nicht ausschließen müssen.





